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BIRR: Gitarrenbauer Eiermann hilft
 
Geheimnisse des Gitarrenbaus
 
EiermannNur wenige Quadratmeter grösser als ein Kinderzimmer ist die Werkstatt, wo Hansjörg Eiermann Zupfinstrumente baut, repariert oder restauriert. Der Familienvater und Musiker ist Selfmademan und Pionier im Gitarrenbau.
 
Hier Schraubzwingen und Feilen aller Grössen und Sorten, da Leimtuben und Lacke verschiedenster Art ­ Hansjörg Eiermanns kleine, heimelige Werkstatt an der Oberdorfstrasse in Birr ist bestens eingerichtet. Was immer einer Gitarre fehlen mag, hier befindet sie sich in guten Händen, denn Herr Eiermann ist ein Profi auf seinem Gebiet.
 
Er kennt sich mit defekten Ukulelen aus, bringt Grossvaters uralte Bassgitarre auf Hochglanz und weiss, was zu tun ist, wenn bei einer klassischen Gitarre ein Wirbel abgebrochen ist. Ab und zu repariert er sogar griechische Zithern und persische Sitars, hiesige Raritäten unter den Zupfinstrumenten.
 
Prototypen und Eigenkreationen
Wie etliche in der Werkstatt gelagerte Prototypen verraten, baut Hansjörg Eiermann natürlich auch eigene Gitarren. In einem aufwendigen Wasserdampfverfahren werden Bauelemente in die klassische bauchig-geschwungene Gitarrenform gebogen, zu einem Schallkörper verleimt und innen und aussen weiterverarbeitet.
 
Da der Bau von klassischen Gitarren sehr anspruchsvoll ist und die Kapazitäten der kleinen Werkstatt strapaziert, ist vor allem derjenige, welcher eine einfacher herzustellende Elektrogitarre besitzen möchte, bei Hansjörg Eiermann an der richtigen Adresse. Unter Aufwand von rund zwanzig Arbeitsstunden fertigt der Gitarrenbauer kunstvolle Einzelstücke, wobei er den persönlichen Wünschen und Vorlieben seiner Kundschaft genau entsprechen kann.
 
Gitarrenbau im Selbststudium
Nachdem Hansjörg Eiermann ursprünglich klassische Gitarre studiert und unterrichtet hatte, packte ihn vor rund zehn Jahren die neue Leidenschaft. Ihn interessierte nicht mehr nur das Spiel, sondern vermehrt die Zusammenhänge, welche hinter dem Zusammenwirken von Saite und Klangkörper stehen. Nachdem er sich mittels Bücher in die Materie des Gitarrenbaus vertieft hatte, führte die Begegnung mit einem seiner Schüler zum eigentlichen Schlüsselerlebnis. Jener hatte zu Hause auf dem Küchentisch eine eigene Gitarre gebaut.
 
Als Eiermann dies sah, sprang der Funke und die Idee, selber Gitarren zu bauen, war geboren. Voller Enthusiasmus eröffnete Hansjörg Eiermann sein erstes Gitarrenlädeli, damals noch in der Unteren Halde in Baden. Doch der Einstieg in die Instrumentenbaubranche erwies sich als schwierig. Einerseits ist die ausländische Konkurrenz gross, andererseits galt es etliche finanzielle und vor allem fachliche Hürden zu meistern. Denn da es den Beruf des Gitarrenbauers in der Schweiz offiziell gar nicht gibt, also auch keine Ausbildungsmöglichkeiten und keine Tradition existieren, lernt das Handwerk nur derjenige, welcher sich das entsprechende Wissen im Selbststudium aneignet.
 
Pröbeln und experimentieren
Trotz Familie und parallelverlaufender Unterrichtstätigkeit tastete sich Hansjörg Eiermann unermüdlich pröbelnd und experimentierend durch die komplexen Zusammenhänge von Saiten und klingenden Holzkörpern und erweiterte so sein Wissen Schritt für Schritt. Da kein Werkzeugsortiment für die Herstellung und Reparatur von Gitarren existiert, baute er traditionelle Holzbearbeitungsgeräte für seine Zwecke um oder stellte sie mit Kreativität und Geschick gleich selber her.
 
Startete Hansjörg Eiermann vor rund zehn Jahren quasi bei Null, so gilt er heute als erfahrener, seltener und darum gefragter Fachmann auf seinem Gebiet. Verändert haben sich aber im Laufe der Jahre nicht nur sein Sachverständnis, sondern auch die Lokalitäten. Das ursprüngliche Gitarrenlädeli inklusive Werkstatt in der Unteren Halde in Baden ist zu. An seine Stelle getreten sind das Lädeli an der Badener Stadtturmstrasse, wo die Kundschaft mit Hilfe weiterer erfahrener Berater betreut wird, und die Werkstatt in Birr.
 
Offenes Ohr für «Gitarrenfragen»
Neben dem Bau und der Reparatur von Gitarren hat Hansjörg Eiermann gemäss seiner Ausbildung als Musiker ein offenes Ohr für Fragen betreffend das Spiel und den Umgang mit «seinem» Instrument. Die Gitarre ist zwar das am häufigsten gekaufte, gehört aber umgekehrt zu den schwierigsten und am meisten missbrauchten Instrumenten.
 
Eiermann stellt fest, dass die Menschen heute immer weniger Geduld, Fleiss und Sorgfalt aufbringen, um ein Instrument richtig zu erlernen, und bedauert es, dass unter der allgegenwärtigen Berieselung durch Musik in Warenhäusern, Coiffeursalons und aus dem Radio die Konsumenten-Haltung dem Musizieren gegenüber gefördert wird. Darum wünscht er sich, dass vor allem Eltern ihre Kinder zum Musizieren anhalten, an deren Spiel Interesse zeigen und zweckfreien Spass am Instrument der allgegenwärtigen Kurzlebigkeit und dem grassierenden Nützlichkeitsdenken voranstellen.
 
Im selben Sinne engagiert sich Hansjörg Eiermann dafür, den Umgang mit und das Verständnis für das populäre Zupfinstrument in unserer Region zu entwickeln und zu fördern. usch

 
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